Jakobsweg – Erfahrungen, Tipps & Tricks

Hallo ihr Lieben! Ich hatte ja schon öfter hier auf dem Blog erwähnt, dass mein Freund von April bis Juni für drei Monate vereist war und ich ihn am Ende noch für eine Woche besucht habe.

Ein paar von euch sind auch schon hellhörig geworden, als ich erzählt habe, dass ich nach Santiago de Compostela zu ihm geflogen bin. Er ist nämlich tatsächlich für drei Monate den Jakobsweg gelaufen. dessen Ziel die Kathedrale in Santiago, beziehungsweise der Leuchtturm in Finisterre ist.

Wer mit dem Begriff nichts anfangen kann: Der Jakobsweg ist ein Pilgerweg mit verschiedenen Startpunkten in ganz Europa. Der Weg endet schließlich an der Kathedrale in Santiago de Compostela, beziehungsweise am Leuchtturm in Finisterre. Seit Hape Kerkeling in seinem Buch „Ich bin dann mal weg“ von seiner Pilgererfahrung berichtete hat der Jakobsweg auch stark an Bekanntheit gewonnen.

Da ich finde, dass der Jakobsweg eine sehr besondere und einmalige Art von Reise ist, habe ich Nils gebeten hier auf dem Blog in Form eines Interviews von seinen Erfahrungen zu berichten und ein paar generelle Tipps zu geben. Vielleicht kommt der ein oder andere von euch ja tatsächlich auf den Geschmack und wird der nächste Pilger in Richtung Santiago.

Welche Motivation hattest du den Jakobsweg zu laufen?

Vor allem der zeitlich Aspekt war bei mir entscheidend. Allerdings auch die Tatsache, dass ich nach den stressigen Monaten der Bachelorarbeit und Praxisphase einfach mal Abstand von allem brauchte und den Kopf frei machen wollte.

Welchen der Jakobswege bist du gelaufen?

Den ersten Teil meiner Reise bildete die Via Podiensis, einer der vier Hauptwege durch Frankreich. Mein Startpunkt lag dabei in Le-Puy-en-Velay, einer kleinen Stadt im Zentralmassiv von Frankreich. Ab der spanischen Grenze bin ich dann den Camino Frances bis Santiago de Compostela gelaufen und danach weiter nach Muxís und Finisterre.

Was sind die Stärken und Schwächen des französischen Weges?

Stärken sind vor allem die wunderschöne und abwechslungsreiche Landschaft, sowie dass abseits der Hauptsaison sehr wenige Pilger unterwegs sind. Das macht das Pilgern zu einer sehr tiefen Erfahrung.

Schwächen sind, dass es im Vergleich zum Camino Frances weniger Unterkünfte und schlechtere Informationen gibt. Das liegt vor allem an der geringeren Bekanntheit des französischen Weges. So hat man in manchen Dörfern Probleme einen Supermarkt zu finden und generell ist alles ein bisschen teurer.

Für welche Art von Mensch ist der Weg geeignet?

Grundsätzlich sind hier keine Grenzen oder Einschränkungen gegeben. Das Einzige, was meiner Meinung nach erforderlich ist, ist die Bereitschaft auf Menschen zuzugehen und Opfer zu bringen. Frei nach dem Motto: Es gibt ein Leben außerhalb der Komfortzone.

Wie sind die Unterkünfte und wo kann man übernachten?

Ich persönlich fand, dass die Unterkünfte durchschnittlich gut waren, sowohl was Komfort als auch Hygiene angeht. Einige tolle Beispiele sind unter anderem: Le Sauvage, Montcuq (Gîte Le Souleillou) und Condom (Gîte & Whitechapel Chambres)

Was sind sehenswerte Punkte auf dem Weg?

Vor allem die Berge, also das Zentralmassiv in Frankreich und die Grenzüberschreitung bei den Pyrenäen. Außerdem haben mir die Städchen O’Cebreiro, Molinaseca und Casabelos gut gefallen. Der Camino Duro hinter Villafranca del Bierzo war ebenfalls eins meiner Highlights.

Jeder macht jedoch für sich selbst andere Erfahrungen, das heißt diese Einschätzungen sind ziemlich subjektiv.

Was sind die besten Reisezeiten?

Ich habe den französischen Teil des Wegs im April gelaufen, da zu dieser Zeit der Andrang noch nicht so groß ist. Außer an Ostern hatte ich auch nie Probleme eine Unterkunft zu finden. Je weiter es Richtung Sommer und den Ferien in Frankreich geht, desto mehr Leute sind unterwegs.

Welchen zeitlichen Rahmen sollte man sich festsetzen?

Ich war ca. 70 Tage unterwegs habe für 1650 km durchschnittlich 23 km pro Tag gebraucht. Natürlich immer abhängig von der Tagesleistung.

Welche Literatur kannst du zur Vorbereitung und zum mitnehmen empfehlen?

Ich selbst habe den Rother Wanderführer für die Via Podiensis benutzt. Dieser hat viele Informationen, manchmal vielleicht sogar zu viele. Da sich beim Pilgern jedes zusätzliche Gramm im Rucksack bemerkbar macht würde ich eher den Michelin Reiseführer empfehlen, da dieser wesentlich abgespeckter ist. Allerdings findet man auch im Internet manchmal Tipps zu guten Herbergen.

Was waren deine Höhen- und Tiefpunkte?

Einer der Höhepunkte war es verschiedene Menschen aus verschiedenen Kulturen zu treffen und kennenzulernen. Außerdem lernt man sich selbst besser kennen, hat Zeit über seine Probleme nachzudenken und kann sich jeden Tag körperlich betätigen.

Meine Tiefpunkte waren definitiv die starken Schmerzen an den Füßen und generell wenn der Körper Schwäche zeigt. Außerdem ist es teilweise schwer zu akzeptieren, wenn man Leute ziehen lassen muss, die man in kürzester Zeit ins Herz schließt.

Für wen ist der Weg nicht geeignet?

Für Leute die schnell aufgeben und ihre Komfort Zone nicht verlassen wollen ist der Weg wohl nicht geeignet. Außerdem sollte man körperliche und geistige Anstrengung nicht scheuen, wenn man den Weg laufen möchte.

Ist Training notwendig?

Man sollte zumindest ein paar Mal mit vollgepacktem Rucksack gelaufen sein. Selbst wenn es die ersten Male schlimm ist, einfach daran denken: Besser es geht einem zu Hause schlecht und man kann sich in seiner gewohnten Umgebung ausruhen und regenerieren, als in der Ferne. Wenn man ansonsten gar keinen Sport macht, sollte man zumindest zur Vorbereitung längere Strecken spazieren gehen.

Ist es besser den Weg alleine oder gemeinsam zu laufen?

Das kommt ganz auf die Erfahrung an, die man machen will. Wenn man den Weg alleine bestreitet hat man unglaubliches Potenzial für sich selbst zu wachsen. Ist man zu zweit oder in einer Gruppe unterwegs kann man sich den nötigen Halt in schweren Momenten geben.

Alleine kann man sein Tempo selbst bestimmen und es ist niemand da, den man anmeckert. Man findet aber auf dem Weg auch immer wieder Leute, mit denen man laufen kann.

In der Gruppe kann man sich das Gepäck teilen, man hat Gesellschaft und etwas vertrautes in der Ferne.

Das eigentliche Ziel ist die Kathedrale von Santiago. Sollte man noch weiter nach Muxia und Finisterre, dem inoffiziellen Ziel an der Küste laufen?

Auf jeden Fall! Zum einen war die Ankunft in Santiago ziemlich ernüchternd, da die Kathedrale momentan eine einzige Baustelle und zudem alles sehr touristisch ist. Zum anderen sind Muxia und Finisterre viel schönere Orte und von der Atmosphäre her ein besserer Abschluss für die Pilgerreise.

Was macht das Pilgern so besonders?

Das Pilgern ist quasi das Gegenteil zur normalen Lebensführung. Man benutzt zum Beispiel kaum Technik, also quasi gezwungener Urlaub. Man hat trotzdem eine Struktur, da jeder Tag irgendwo den gleichen Ablauf hat. Der Spruch „Sport macht den Kopf frei“ trifft beim Pilgern auch zu und man mehr als genug Zeit seine Probleme aufzuarbeiten.

Außerdem ist das besondere am Jakobsweg die vielen verschiedenen Menschen und somit Kulturen, die dort unterwegs sind.

Ist die Erfahrung mit dem bekannten Buch von Hape Kerkeling zu vergleichen?

Nein und zwar aus einem ganz einfachen Grund: Jeder nimmt Dinge anders war. Man sollte sich durch das Buch kein falsches Bild machen oder sich overhypen lassen. Lasst euch einfach vom Weg überraschen.

Wie sieht es mit der Verpflegung und Versorgung unterwegs aus?

In Frankreich würde ich hauptsächlich auf Selbstversorgung setzen, da es dort teurer ist. In Spanien wird alles billiger und die Supermärkte sind auch besser zu erreichen. Essen gehen kann man dort auch ab und an mal.

Was sollte man mit nach Hause nehmen?

Meiner Meinung nach Lektionen, Einstellung, Sport und neue Ziele!

Ist man traurig wenn man zurück muss, bzw. die Reise vorbei ist?

Ich persönlich nicht. Ich war dankbar für die Erfahrungen und die schöne Zeit. Ich hatte aber auch genug Dinge, auf die ich mich wieder freuen konnte. Das nach Hause, zurück in die Realität kommen ist genauso wichtig wie die Reise selbst. Meiner Meinung nach vergessen die Leute oft, dass zum Leben nun mal auch Arbeit gehört und nicht nur auf dem Camino rumzuhängen.

Wie sicher ist der Jakobsweg?

Ich hatte nie das Gefühl bedroht zu sein und hatte persönlich auch keinen Vorfall mit Diebstahl oder Kriminalität.

Braucht man spanisch und französisch Kenntnisse?

Sprachkenntnisse sind nützlich, aber nicht absolut notwendig.

Vielleicht wurdet ihr ja ein bisschen neugierig auf den Jakobsweg. Wenn ihr weitere spezifische Fragen habt, dann stellt sie gerne in den Kommentaren. Ich werde sie dann an Nils weiterleiten!

Wenn ihr Fotos aus unserem Urlaub in Finisterre sehen möchtet und Reisetipps für diese Region erfahren möchtet, schaut gerne bei meinem Blogpost „Wochenrückblick KW 25 Strandurlaub in Finisterre“ vorbei.

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34 Kommentare

  1. 21/07/2017 / 09:11

    I love the view! You got there some great photos!

  2. 21/07/2017 / 12:15

    Toller und vor allem sehr interessanter Post. Das muss eine wirklich sehr interessante Erfahrung gewesen sein!
    Danke für euer Interview! 🙂
    Alina // alinacorona.de

    • 27/07/2017 / 13:41

      Dankeschön 🙂 Ja, es war auf jeden Fall eine tolle Erfahrung für ihn!

  3. Pam
    21/07/2017 / 12:24

    this looks like a great time you guys had! love that last shot of you, so happy!
    Pam xo/ Pam Scalfi♥

  4. 21/07/2017 / 12:37

    Ein toller Beitrag und super interessant zu lesen, was dein Freund da für Erfahrungen gemacht hat.

  5. 21/07/2017 / 15:35

    Richtig cool das Nils sich bereit erklärt hat über seine Erfahrung auf dem Jakobsweg zu berichten! Danke ihm dafür herzlich, fand es sehr interessant. Zwei Kumpels von mir sind ihn auch schon gelaufen, der eine ganz und der andere nur stellenweise aber fand das echt cool und war überrascht das sich Anfang 20-jährige für den Jakobsweg interessieren. In meinem Umkreis sind nämlich alle eher so auf Entspannungs-Strand oder Party Urlaub aus aber ich glaube das kommt auch mit dem Alter 😀 so doof sich das jetzt auch anhört. Ich möchte mal den Buddha Weg in Nepal und Indien laufen weil ich keine Christin bin und mich Buddhismus mehr interessiert. Denke aber es ist egal wo man pilgert oder welche Religion, es ist alle mal eine wertvolle Erfahrung fürs Leben!

    Liebe Grüße und schönes Wochenende euch beiden 🙂

    • 27/07/2017 / 13:44

      Vielen lieben Dank! Freut mich total, dass du den Beitrag mochtest 🙂
      Ich finde es auch richtig cool, dass er das so durchgezogen hat! Ich weiß genau was du meinst, solche „typischen“ Urlaube sind eben doch nicht das Gleiche wie so eine besondere Erfahrung. Dein Plan den Buddha Weg zu laufen hört sich auch sehr interessant an <3

  6. 21/07/2017 / 16:43

    Oh wow was ein toller Beitrag. Ich finde das absolut Bewundernswert das er das so durchgezogen hat.
    Was mich noch Interessieren würde, wäre von wo aus er gestartet ist?
    Ich wünsche Dir einen tollen Freitag.
    Liebe Grüße Lisa <3
    http://www.hellobeautifulstyle.blogspot.de

    • 27/07/2017 / 13:45

      Dankeschön Liebes! Das finde ich auch 🙂
      Er ist in Le-Puy-en-Velay gestartet, etwas südlich von Lyon.

  7. 21/07/2017 / 18:08

    Hey, danke für die tolle Zusammenfassung. Ich habe schon viel darüber gehört, aber so spezifisch wie du es beschrieben hast noch nicht.
    Ich wünsche dir ein schönes Wochenende!

  8. 21/07/2017 / 19:50

    Wirklich ein sehr interessanter Blogpost! Über so eine Pilgerreise habe ich persönlich noch nie nachgedacht, der Artikel jetzt hat aber tatsächlich meine Neugierde geweckt. Mich würde interessieren ob dein Freund so eine alleinige Reise auch als Frau empfehlen kann, oder ob es in dem Fall sicherer ist Begleitung zu haben?
    Liebe Grüße
    https://soulstories-amandalea.blogspot.de

    • 27/07/2017 / 13:33

      Hi Liebes 🙂
      Nils hat erzählt, dass sehr viele Frauen den Weg alleine gelaufen sind. Sie haben wohl nie über Probleme geklagt, deshalb denkt er, dass der Weg auch für alleinreisende Frauen sicher ist 🙂

  9. 21/07/2017 / 20:13

    Huhu,
    das hört sich ja toll an, hab erstmal neugierig gelesen. Ich habe auch mal die tolle Idee gehabt (mit 2 Freundinnin) Mallorca, 35 Grad, kein Plan von nichts und los. Wie haben uns verlaufen, hatten keine Wasser und es war dunkel. Na ja, wir wurden gerettet haha. Na ja, jetzt 10 Jahre später würde ich es wohl nochmal wagen 😉
    Tolle Bilder.
    Liebst Tascha
    http://www.taschasdailyattitude.com

  10. 21/07/2017 / 21:33

    Wow, wie cool ist dieser Beitrag bitte?
    Ich finde es super von Nils, dass er wirklich gepilgert ist (und nicht wie alle, einfach mal nach Thailand geflogen ist). Ich fand den beitrag so interessant und habe auf das Pilgern nun eine ganz andere Sichtweise. Ich finde es auch super, dass er hier alles in einem sozusagen Interview erzählt – hier auch ein großes DANKE an ihn. 🙂

    Liebe Grüße und dir ein schönes Wochenende!
    Anna 🙂
    https://wwwannablogde.blogspot.de/

  11. 22/07/2017 / 11:17

    ziemlich cool und tolle erfahrungen die dein freund da gemacht hat 🙂 auch klasse dass ihr einfach im interview-stil ein paar nützliche infos verpackt habt, die bestimmt jeden interessieren, der den jakobsweg mal laufen möchte oder über ähnliches nachdenkt!
    einen lieben urlaubsgruß aus hotel sölden
    Claudia

    • 27/07/2017 / 13:49

      Danke liebe Jimena 🙂
      Freut mich total, dass dir der Beitrag gefallen hat!

  12. Patty
    23/07/2017 / 11:02

    Ich finde das so super, dass du das gemacht hast. Den Jakobsweg sollte man mindestens einmal gelaufen sein (zumindest ein Teil davon). Nach Santiago de Compostela wollte ich schon immer einmal ! Ich bin sehr begeistert von deinen vielen Eindrücken 🙂
    Liebe Grüße
    Measlychocolate by Patty
    Measlychocolate now also on Facebook

    • 27/07/2017 / 13:51

      Dankeschön Liebes! Ich finde es auch toll, das Nils das so durchgezogen hat 🙂
      Santiago ist echt eine sehr schöne Stadt <3

  13. 23/07/2017 / 17:19

    Ein wunderbarer und sehr interessanter Beitrag. Die Bilder sind richtig toll, es muss eine schöne Erfahrung gewesen sein.

    Liebe Grüße, Claudia – MINNJA.de

  14. 25/07/2017 / 10:07

    Ich finde es irgendwie cool, dass du deinen eigenen Freund interviewst. ist das nicht komisch? 🙂
    Danke für die super Eindrücke von ihm. Du warst bestimmt auch heilfroh ihn nach 3 Monaten wiederzusehen. Schön, dass ihr noch 1 Woche Urlaub zusammen dort gemacht habt. Hast du denn eine Veränderung an ihm festellen können nachdem er den Jakobsweg gelaufen ist? Finde das irgendwie total interessant.

    Lg, Mny von http://www.braids.life

    • 27/07/2017 / 13:55

      Das Interview war tatsächlich gar nicht komisch, eher wie ein ganz normales Gespräch mit Notizen 😀
      Ja, ich war unglaublich froh ihn nach den 3 Monaten endlich wiederzusehen 🙂
      Ich glaube er hat auf dem Weg einiges gelernt und sich selbst auch weiterentwickelt, charakterlich ist er aber immer noch der Gleiche 🙂

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